Sammlung für die Thorarolle der Jüdischen Gemeinde in Lübeck

Die Lübecker Synagoge ist die einzige in Schleswig-Holstein, die die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur überstanden hat. Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten sollte die Synagoge im vorigen Jahr wieder eröffnet werden. Durch „Corona“ kam es erst am 12. August dieses Jahres zu dem Festakt, in dem die die Wiedereröffnung der Carlebach-Synagoge gefeiert wurde.

Der Lübecker Pastorenkonvent, geleitet von Pröpstin Petra Kallies, hatte schon lange einen Besuch in der Synagoge geplant, der am Vortag der Wiedereröffnung der Synagoge stattfand. Zuvor hatten die Pastoren vom Wunsch der Gemeinde nach Anschaffung einer Torarolle erfahren und eine Sammlung beschlossen. Als gewählte Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (kurz: ACK) in Lübeck hat Frau Kallies die Mitgliedskirchen informiert und ihnen die Möglichkeit eröffnet, sich dieser Aktion anzuschließen.

 

Innerhalb unserer drei Lübecker Gemeinden (HL-Mitte, -Schlutup und -Travemunde) wurde ein Beitrag in Höhe von 1.000 Euro zu dem gemeinsamen Projekt gesammelt. Dieser Betrag wurde an die ACK Lübeck überwiesen. Im Rahmen der Aktion ist eine Spende in Höhe von 13.000 Euro seitens der Lübecker Christen zusammengekommen, ergänzt durch 5.000 Euro aus einer Sammlung der evangelisch-lutherischen Nordkirche zum Israel-Sonntag.

 

Am 11.08.2021 wurde die Spende von Pröpstin Petra Kallies überreicht. Zuvor führten Rabbiner Nathan Grinberg und Architekt Thomas Schröder-Berkentien die Besucher durch die neu gestalteten Sakralräume und informierten über das Gemeindeleben und die Geschichte der Synagoge. Die Lübecker Pastoren wurden von Propst Christoph Giering von der Katholischen Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern, Pastorin Imke Akkermann-Dorn von der Evangelisch-reformierten Gemeinde, Pastorin Hanna Lehming der Beauftragten der Nordkirche für den christlich-jüdischen Dialog sowie unserem Hirten in Ruhe Manfred Henke als Vertreter unserer Kirchen in Lübeck, begleitet.

 

Christen und Juden verbindet der Glaube an den einen Gott, der uns in der Heiligen Schrift wichtige Wegweisungen für das Leben gegeben hat“, bekräftigte Petra Kallies. In beiden Glaubenstraditionen würden geistliche Orte eine wichtige Rolle spielen - ebenso wie bestimmte Ausstattungsgegenstände. Mit dem Geschenk sei ein klares Nein zu jeder Form des Antisemitismus verbunden. „Und, last but not least, hoffen wir, dass wir unseren jüdischen Geschwistern mit der Spende eine Freude machen.

 

Hirte in Ruhe Manfred Henke schreibt in diesem Zusammenhang: Auf dem Weg zu St.Aegedien fand ich die bekannten Stolpersteine zum Gedenken an die Lübecker Opfer der Shoah im Gehweg. Der Vortrag in der Aegidienkirche galt Aspekten des christlichen Antisemitisms. Die Spuren der Verwüstung an der Synagoge stammen nicht nur aus der NS-Zeit. So wurde der Tag für mich ein Tag der Buße und der Einkehr. In diesem Sinne sollten wir auch die offizielle Wiedereröffnung der Synagoge in unseren Gedanken begleiten.

 

Von der Jüdischen Gemeinde haben wir bereits ein Dankesschreiben über Frau Pröpstin Petra Kalies erhalten und haben uns sehr darüber gefreut.

 

Weitere Informationen zur Spendenaktion sind auf folgenden Internetseiten zu lesen:

https://www.kirche-ll.de/aktuelles/schaufenster/details/nachricht/pastoren-luebeck-besuch-juedische-gemeinde-carlebach-synagoge.html

 

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Carlebach-Synagoge-in-Luebeck-wird-wiedereroeffnet,synagoge536.html

 

Text: Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Lübeck und Redaktion